Dem Heinerhofbauern sein Knecht über den ideologischen Restmüll des 20ten Jahrhunderts

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Im Winter gibt es auf dem Heinerhof nicht viel zu tun. Die Viecher müssen gefüttert werden, der Stall muß ausgemistet werden und alle paar Tage geht´s ans Holzhacken. Wenn der erste Schnee gefallen ist, begibt sich dem Heinerhofbauer sein Knecht hinunter ins Dorf, besteigt den Postbus und fährt in die Kreisstadt. Dort geht er in die Bücherei und nimmt sich Lesestoff für die langen Winterabende auf dem Heinerhof mit. Das saudumme Fernsehprogramm mag er sich nicht anschauen, sagt er, weil ihm diese ganze gespielte gute Laune und die verlogenen Freundlichkeiten samt dem Dauergenerve der neumalklugen Teleweiber auf den Geist gehen.

Letztes Jahr im Spätherbst, sagt dem Heinerhofbauern sein Knecht, sei ihm aufgefallen, daß die Nachrichten im Kreisboten immer scheußlicher werden. Auf Straßen und Plätzen, sagt er, auf denen die Leute früher noch zu jeder Tages- und Nachtzeit haben spazieren gehen können, werden sie heute überfallen, erstochen, vergewaltigt und verprügelt. Vor drei Jahren habe er sich schon gefragt, ob die Bundeskanzlerin wirklich so schlau ist, wie sie immer tut. Letztes Jahr dann sei er so weit gewesen, daß er regelrecht vor einem Rätsel gestanden ist. Er habe sich gedacht, sagt der Knecht, es könne doch nicht sein, daß jemand derartig blöd ist, massenhaft Strauchdiebe, Totschläger, Mörder und Gesindel ins Land zu lassen, das sich aufführt wie Dreck am Stecken.
Als er im Kreisboten gelesen hat, daß die Kanzlerin auch noch behauptet hat, das alles sei sehr menschlich, sagt dem Heinerhofbauern sein Knecht, habe ihn das Gefühl beschlichen, daß es eine Menge geben könnte, von dem er bis dahin keine Ahnung gehabt hat. Zwar, sagt er, habe er außer mit der Bäuerin nicht viel mit dem Weibsvolk zu tun, aber trotzdem habe er sich nicht vorstellen können, daß jemand derartig blöd ist, nur weil er eine Weibsperson ist. Da mußte etwas anderes dahinterstecken. Die Heinerhofbäuerin sei schließlich eine recht vernünftige Frau, die so gut wie nie etwas verkehrt macht.
Also habe er sich in der Kreisbücherei mit Büchern eingedeckt, in denen drin steht, warum die Bundeskanzlerin solche Aussetzer hat. Dieses Jahr im Frühjahr habe er dann Bescheid gewußt. Die Kanzlerin hat ihr ganzes Leben lang ihre Nase in die verkehrten Bücher gesteckt, sagt dem Heinerhofbauern sein Knecht. Die weiß zwar viel, aber akurat das Verkehrte.
In der Kreisstadt
Wie er in seinem Sonntagsgewand aus dem Postbus ausgestiegen ist, erzählt der Knecht, habe ihn fast der Schlag getroffen. Das hätte er nicht gedacht, daß die Nachrichten im Kreisboten so genau stimmen. Höchstens zwei Kilometer seien es vom Busbahnhof bis zur Kreisbücherei. Auf dem Weg dorthin seien ihm aber mindestens ein Dutzend Neger begegnet und jede Menge Frauen mit Kopftüchern, die ganz bestimmt keine Bäuerinnen aus dem Umland gewesen sind. Mägde auch nicht. Weil die ganz andere Kopftücher aufhaben.
Bis er in der Kreisbücherei gewesen ist, sagt der Knecht, hat er einen frechen Neger maulschelliert und einen anderen mit dem Hirschfänger davon abgehalten, daß er seinem unverschämten Spezi hilft. Er hat ihm den Hosengürtel durchgeschnitten und ins Gebüsch geschubst. Früher hätte es weniger Aufregung gegeben auf dem Weg zur Kreisbücherei.
Damals, sagt dem Heinerhofbauern sein Knecht, seien die Neger auch noch viel anständiger gewesen. In der Dorfkirche hätten sie einen kleinen gehabt. Aus Holz. Der kniete auf dem Opferstock und wenn man eine Münze in den Opferstock einwarf, dann hat er artig genickt und sich bedankt. Im Dorf hätten sie ihn Nickneger genannt. Daß ein lebendiger Neger doch so frech werden kann, sagt der Knecht, hat ihn deshalb schon überrascht. Ein Zwanzig-Cent-Stück hätte er ihm ja gegeben, sagt er, um zu sehen, ob lebendige Neger auch nicken, wenn man ihnen eine kleine Münze gibt. Aber so dringend habe er es auch nicht wissen wollen, als daß er gleich seinen ganzen Geldbeutel herausgerückt hätte.
Winterzeit, Lesezeit
Die Bücher, die er dann letzten Winter gelesen hat, sagt der Knecht, hätten ihm die Augen geöffnet. Im zwanzigsten Jahrhundert habe es vor Wahnsinnigen nur so gewimmelt, meint er. Und daß die Bundeskanzlerin heute noch so altmodisch denkt wie diese Wahnsinnigen. Regelrecht aus der Zeit gefallen ist sie, sagt dem Heinerhofbauern sein Knecht.
Ob ich wüsste, wer der Herman Sörgel gewesen ist, wollte er von mir wissen. Ehe ich antworten konnte, fuhr der Knecht aber schon fort. Der Sörgel, erzählte der Knecht, sei so verrückt gewesen, daß er Europa in Atlantropa verwandeln wollte. Es sei unfassbar. Dieser Verrückte, sagt der Knecht, habe geplant, die Straße von Gibraltar durch einen riesigen Staudamm abzuriegeln und das Mittelmeer großteils trocken zu legen. Noch nicht einmal die engste Stelle der Meerenge von Gibraltar habe er dazu hernehmen wollen, sondern eine viel breitere 20 Kilometer weiter westlich. Ein zweieinhalb Kilometer breites Fundament für den Damm habe der Sörgel im Sinn gehabt, sagt der Knecht, und 300 Meter hoch hätte der Staudamm werden sollen. Binnen zehn Jahren hätte er das alles bauen wollen mit 200.000 Arbeitern, die rund um die Uhr arbeiten wie die Ameisen. Und das, so der Knecht, obwohl nicht einmal klar gewesen ist, ob es auf der ganzen Welt so viel Zement gibt, wie er dafür gebraucht hätte.
Die Idee hinter diesem größenwahnsinnigen Vorhaben, so der Knecht, sei gewesen, Europa mit dem afrikanischen Kontinent zu einem einzigen zu verschmelzen, so daß man eine Bahnlinie hätte bauen können von Berlin bis nach Kapstadt. Vom Ende der 1920er Jahre bis zu seinem Tod im Jahr 1952 habe dieser Sörgel mal mehr, mal weniger Unterstützer für seinen Plan gehabt. Erst 1960 sei das Vorhaben dann endgültig aufgegeben worden.
Über das Atlantropa-Buch sei er dann auf noch ein paar andere Größenwahnsinnige gestossen, erzählt der Knecht. Der Atlantropa-Sörgel habe sie sogar als seine politischen Verbündeten begriffen. Dabei gehe es um die Paneuropa-Union, die nach dem Ersten Weltkrieg entstanden ist. Gegründet worden sei sie 1922 von einem österreichisch-japanischen Aristokraten, Nikolaus von Coudenhove-Kalergi. Der Austrojapaner, so der Knecht, sei von der fixen Idee besessen gewesen, daß die Existenz unterschiedlicher Nationen der Urgrund aller Kriege sei. Deswegen wollte er die Vereinigten Staaten von Europa schaffen. Dabei, so der Knecht, müsse der Coudenhove-Kalergi die Schweiz übersehen haben. Oder er hat sie einfach ignoriert, weil sie nicht zu seiner Theorie gepasst hat. Der Sonderbundskrieg der Schweizer, so der Knecht, sei auch nur ein Bürgerkrieg gewesen, der im November 1847 drei Wochen lang gedauert hat und 150 Tote gefordert hat. Seit der Zeit habe es auf Schweizer Boden keinen Krieg mehr gegeben.
In gewisser Weise, so der Knecht, sei Coudenhove-Kalergis Paneuropa-Union von 1922 ein gedanklicher Vorläufer der heutigen EU. Deswegen werde der austrojapanische Aristrokrat von den EU-Funktionären auch verehrt.
Allerdings gebe es schon Unterschiede zwischen dem, was Coudenhove-Kalergi vorhatte – und was dann daraus geworden ist. Daran seien wieder andere Größenwahnsinnige des 20. Jahrhunderts schuld, so dem Heinerhofbauern sein Knecht. Er meint die Kommunisten. Zwar sei die Paneuropa-Union von ebenfalls Übergeschnappten, den Nazis nämlich, bekämpft worden, aber Coudenhove-Kalergi selbst sei ein Bewunderer des italienischen Faschisten-Großmauls Mussolini gewesen, ein Freund des autoritären Staates also. Coudenhove-Kalergi habe eine aristokratische Herrscherkaste vorgeschwebt, die autoritär darüber wacht, daß sich der europäische Pöbel nicht gegenseitig umbringt.
Das wiederum sei natürlich für die Kommunisten und die Sozialisten nicht das Richtige gewesen. Die EU sei also so etwas wie Kalergi-Coudenhove plus Internationalsozialismus minus Aristokratie. Was im Zusammenhang mit dem Austrojapaner aber immer unter den Tisch falle, das sei, daß er Kolonien in Afrika der Paneuropa-Union habe zurechnen wollen, um sie zu bewirtschaften. Nickneger seien sein Ding gewesen, aber mit Kommunisten genauso wenig zu machen, wie aristokratische Herrschaft. Daß sich bei den Sozialisten und den Kommunisten trotzdem immer ein absolutistischer Funktionärsadel herausbilde, sei ein Fehler des größenwahnsinnigen Systems.
Gerade die Kommunisten im 20. Jahrhundert, sagt dem Heinerhofbauern sein Knecht, seien derartig größenwahnsinig gewesen, daß sie Millionen und Abermillionen von Menschen einfach umgebracht haben. Und zwar weltweit. Hitler, der Nationalsozialist, und die Kommunisten Mao, Stalin und PolPot seien die skrupellosesten Größenwahnsinnigen des vergangenen Jahrhunderts gewesen, in ihrem Größenwahn als solchem aber nicht prinzipiell anders als der Atlantropa-Sörgel und eben der Coudenhove-Kalergi.
Wenn man das alles weiß, sagt dem Heinerhofbauern sein Knecht, dann sind die scheußlichen Nachrichten im Kreisboten auch gar nicht mehr rätselhaft. Sowohl die Bundeskanzlerin, als auch der EU-Kommissionspräsident Juncker sind Träger des Coudenhove-Kalergi-Preises. Was die im Kopf haben, sagt dem Heinerhofbauern sei Knecht, ist quasi der Restmüll des 20ten Jahrhunderts.
Der Restmüll des 20ten Jahrhunderts
Der Restmüll des 20ten Jahrhunderts ist der Größenwahn, sagt dem Heinerhofbauern sein Knecht. Der wiederum bestehe in der völlig grotesken Überzeugung, daß es möglich sei, eine bessere Welt zu schaffen und daß es sich lohne, dafür alles auf den Misthaufen zu werfen, was sich zuvor bewährt hat. Wo dieser Größenwahn herkommt, das weiß er ebenfalls ganz genau, sagt der Knecht. Der sich ständig beschleunigende Fortschritt im 20ten Jahrhundert ist es gewesen. Der Mensch ist an sich selbst besoffen geworden, sagt er. Er hat vergessen, wie wenig Einfluß er tatsächlich hat auf verheerende Vulkanausbrüche, Meteoriteneinschäge, Erdbeben und Tsunamis – und wie sehr die Tatsache seiner Existenz an Dingen hängt, auf die er nicht den geringsten Einfluß hat.
Der wirkliche Fortschritt des 21sten Jahrhunderts, sagt dem Heinerhofbauern sein Knecht, sei es, den wahnhaften Rausch des 20ten hinter sich zu lassen und gelassen das zu tun, was hier und heute sinnvoll ist. Sinnvoll ist es, sagt dem Heinerhofbauern sein Knecht, sich nicht visionär zu überheben, sondern Bewährtes zu bewahren. Wahrer Fortschritt im 21sten Jahrhundert wäre, zu einer realistischen Beurteilung der menschlichen Möglichkeiten zurückzukehren und anzuerkennen, daß nicht alle Menschen auf der Welt gleich sind – und auch nicht gleichzumachen sind. Und daß es deshalb sinnvoll ist, sie je nach ihrer Art getrennt voneinander auf dem Globus verteilt zu lassen, anstatt sie überall zu einem explosiven Gemisch zu vermengen. Ein Bürgerkrieg sei schließlich auch ein Krieg.
Wie die Neger in Afrika leben, ist ihm völlig wurscht, sagt dem Heinerhofbauern sein Knecht. Die dürfen sich gern um sich selbst kümmern. Und wenn die Moslems meinen, daß Steinigung sein muß, bitte. Der Heinerhofbauer, die Bäuerin und er halten den Heinerhof schon in Ordnung, sagt der Knecht. Auf dem Heinerhof braucht niemand einen Neger oder eine Steinigung zur Bereicherung. Und die Neger in Afrika brauchen niemanden, der ihnen sagt, was sie die ganze Zeit falsch machen. Es ist der ideologische Restmüll des 20ten Jahrhunderts, der endlich vergraben werden muß, sagt dem Heinerhofbauern sein Knecht.

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