Jens Spahn: Bedeutungsloses Geschwätz als politische Generalseuche

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Deutschland ist ein Land, in dem es neben dem aktuellsten Wetterbericht auch noch die gerechteste Sprache gibt. Gerecht, gerechter, am gerechtesten. Jens Spahn hat geredet. Das heißt, daß Deutschland auch viel freiheitlicher geworden ist seit Adolf, Walter und Erich. Man kann sagen, was man will. Bedeuten muß es nichts. Das ist am freiheitlichsten. Und deswegen wiederum haben wir diese ungeheuren Integrationserfolge. Denn Migranten integrieren sich am liebsten dort, wo „die Werte“ darin bestehen, keine zu haben.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der sich für den CDU-Vorsitz bewirbt, forderte einen „modernen Patriotismus“. Das heißt, daß er es mit dem Moderpatriotismus nicht so hat. Moderpatriotismus ist völlig unmodern. Der „moderne Patriotismus“ dürfe nicht ausgrenzen, sondern er müsse eine Einladung zum Mitmachen sein, sagte Spahn der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ . „Moderner Patriotismus“ solle heissen, das „Bewusstsein für die Werte unserer Gesellschaft zu schärfen.“

Das speichern wir erst einmal unter „Fordern, Warnen & Zeichensetzen“ und fragen uns dann, ob „moderner Patriotismus“ genauso inhaltsleer ist wie die „soziale Gerechtigkeit“. Oder die „Geschlechterdemokratie“. Das Geschlechterverhältnis wäre nämlich seinem Urgrunde nach ziemlich ungeil, wenn es der Herr in all´ seiner Weisheit nach demokratischen Kriterien eingerichtet hätte. Zwei verschiedene Geschlechter gibt´s garantiert nicht, damit ihr Verhältnis zueinander ungeil ist. Das wäre nicht im Sinne des Herrn. Sonst hätte er für Männer von Haus aus eine demokratische Viereinhalbmonats-Schwangerschaft vorgesehen.
„Geschlechterdemokratie“ ist ein perfider Anschlag auf die Ideale des christlichen Abendlandes und eine Vernichtung von Werten, keinesfalls aber ein Wert für sich. Ein intaktes Geschlechterverhältnis hat einen Wert. Für die Demografie zum Beispiel.
„Moderner Patriotismus“
Patriotismus speist sich gerade aus dem Blick in die Vergangenheit und dem Willen zur Bewahrung von Werten. Heimatliebe, regionale Dialekte, gemeinsame Überzeugungen und Traditionen sind prägend und nicht beliebig veränderbar. Im südlichen Mittelfranken war es noch vor fünfzig Jahren gang und gäbe, daß sich die Burschen von Nachbardörfern beim Bauerntanz aus dem einzigen Grund geprügelt haben, daß die anderen eben aus dem Nachbardorf gewesen sind. Aber es gab Regeln. Nie hätte einer einem Besiegten gegen den Kopf getreten. Das ist, verglichen mit heute, zivilisiert gewesen. Zivilisation ist ein Wert. Patriotismus lebt von Werten.
„Moderner Patriotismus“ – worauf soll der sich denn beziehen? Auf eine ungewisse Zukunft? Die Wolken am Himmel sind so etwas wie die „Neue Heimat“, oder wie? Und der Staat wird aufpassen, daß niemand vom Himmel fällt und sich auf der gut begründeten Realität alle Knochen bricht? „Moderner Patriotismus“ ist ein absoluter Nullbegriff. Eine Phrase ist er. Sonst ist er gar nichts. Es gibt keinen modernen Patriotismus. Es gibt Patriotismus. Es gibt auch keine soziale Gerechtigkeit. Gerechtigkeit ist aus sich heraus sozial. „Moderner Patriotismus“ ist so sehr ein Synonym für „kein Patriotismus“, wie „soziale Gerechtigkeit“ eines für „Sozialismus“ ist.
„Die Werte“
Nur mit einem „modernen Patriotismus“ gelinge dann auch Integration, verkündet Gesundheitsminister Spahn, der Kandidat für den CDU-Vorsitz. Komplizierte Biografien und Mehrsprachigkeit seien kein Widerspruch zu einer deutschen Identität. Die Grundwerte unseres Landes zu teilen, sich einzubringen und mit daran arbeiten, dass es allen so gut wie möglich gehe, sei „in einem modernen Sinne patriotisch“, sagt der christdemokratische Genie-Spahn.
Dahinter steckt ein listiger Plan. Auf diese Weise können nämlich alle „die Menschen“ dieser Welt moderne deutsche Patrioten werden, ohne daß sich die alten deutschen „Moderpatrioten“ unpatriotisch fühlen müssten. Was natürlich nicht stimmt – und was Jens Spahns Geschwätz der völligen Bedeutungslosigkeit zuordnet. In der Bedeutungslosigkeit schwätzt Spahn aber weiter. Er wäre schließlich kein deutscher Spitzenpolitiker, wenn er es bleiben ließe. Als nächstes stellt Spahn nämlich fest, daß es nicht darum gehe, „Stammbäume zu analysieren, wie es manche bei der AfD gerne tun“. Ach? – Stammbäume spielen im Patriotismus nicht die geringste Rolle? Auf das schmale Brett hat sich vor Spahn noch keiner vorgewagt.
Dann aber warnte der CDU-Politiker vor „falsch verstandener Toleranz“ gegenüber fremden Kulturen, was dann der Gipfel der Realitsverleugnung durch den Kandidaten ist. „Keiner Kultur“ läßt sich nämlich nicht „fremde Kultur“ gegenüberstellen, sondern höchstens „eine Kultur“. Um von einer fremden Kultur zu reden, braucht man zwingend erst einmal eine eigene. Und die besteht keinesfalls ausschließlich aus den „Werten“ von Frau Angela Merkel oder Herrn Jens Spahn. Da gehört schon alles dazu, was die Herrschaften gern ausblenden, damit ihr bedeutungsloses Geschwätz so klingt, als hätte vorher jemand nachgedacht.
Patriotismus beinhaltet den Bezug zum Land als dem Eigentum eines ganz bestimmten Volkes, zumal, wenn es nach einem ganz bestimmten Volk benannt worden sind. Wir leben nicht in der Bundesrepublik Wertland, sondern in Deutschland. Bei Südafrika und Zimbabwe zerreibt sich das Zahnradsammelsurium in des Gesundheitsministers Kopf doch auch nicht so zu Spänen. Warum dann bei „Deutschland“?
Was wiederum ein Deutscher ist, davon kann meinereiner sich durchaus ein Bild machen, ohne daß er dabei Nachhilfe von einer Physikerin oder einem Politikwissenschaftler bräuchte. Irgendwo in der CDU wird es doch wohl einen Historiker geben, der Spahn hätte updaten können, damit er sich mit seinem „modernen Patriotismus“ nicht lächerlich macht. Das sieht fast wie ein Mangel an innerparteilicher Solidarität mit den Homosexuellen aus. Das wäre mal ein Beispiel für Werteverfall. Gruppenbezogene Unsolidarität mit den Homosexuellen in der Dieseldemokratie ist nämlich ohne jeden Wert.
Der Anti-Macho-Spahn
„Ich will keine Macho-Kultur akzeptieren, die Männern den Vorrang einräumt. Ich möchte nicht, dass der Antisemitismus mancher Migranten schleichend zum Alltag wird„, sagte der Minister.
Zu Zeiten, als das Wollen und das Wünschen noch etwas geholfen hat, haben die Gebrüder Grimm Märchenbücher geschrieben. Heute gilt: Des Ministers Wunsch und Wille juckt keinen Macho an der Nille. Schließlich sind wir tolerant und wollen die Menschen nicht gleich vorverurteilen, wenn sie bloß zehnfach „polizeibekannt“ geworden sind – und nicht zwanzigmal. Ein bißchen Zeit zur Gewöhnung an die Werte brauchen sie schon.
Der absolute Brüller ist aber Spahns „der Antisemitismus mancher Migranten“. Er wird doch nicht so manche Migranten gemeint haben? Das wäre ja glatt gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit mancher Gruppe gegenüber. „Der Antisemitismus mancher Migranten“ – ha-ha-ha … ich kann nicht mehr. Das ist so richtig bedeutungsloses Geschwätz. Noch „bedeutungsloser“ geht´s nicht. Mindestens vier Millionen teils fundamentalistischer Moslems im Land – und dann der Spahnsche „Antisemitismus mancher Migranten“? Sollte das mit dem Parteivorsitz bei der CDU nichts werden, kann Spahn noch immer als Comedian eine Karriere hinlegen, daß der moderne Patriot nur noch so staunt. Jens Spahn, naaa-naaaa-naaaa … aua, mein Bauch.
Aber jetzt kommt er im Sheriff-Outfit daher, der Grundsatzredner von der CDU: „Zwangsheiraten und Ehrenmorde sind Verstöße gegen unsere Werte, gegen die wir entschieden vorgehen müssen.“
Hätte das nicht eher heißen müssen: „Ich wünsche mir, daß wir Zwangsheiraten und Ehrenmorde als Verstöße gegen unsere Werte betrachten und uns demokratisch entscheiden, ob wir dagegen vorgehen wollen.“ – ? Doch, so hätte das auch geheißen, wenn Spahn als Politikwissenschaftler nicht genau wüsste, was einen Politiker interessant macht bei der angepeilten Klientel. Da darf ein bißchen John Wayne schon sein.
Spahn hat Politentertainment betrieben. Es geht um nichts außer um Jens Spahn. Er ist ambitioniert. Er will etwas erreichen. Da ist ihm eben der „moderne Patriotismus“ im Lande der sozialen und anderer Gerechtigkeiten eingefallen und er dachte, den probiert er mal aus in seiner furchtbar praktischen Bedeutungslosigkeit. Nicht mit mir. Ich merke, wenn jemand vortäuschen will, er hätte vor dem Sprechen über etwas nachgedacht.

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