Kohleausstieg – und was dann?

Bericht übernommen.

Vor Weihnachten wurde mit großem Medienrummel die letzte Steinkohlenzeche im Ruhrgebiet aufgegeben. In den vielen Reden und Kommentaren zu diesem Ereignis fand ein wichtiger Grund für die Subvention der deutschen Steinförderung über 50 Jahre keinerlei Erwähnung. Genannt wurde nur der Erhalt von Arbeitsplätzen. Viel wichtiger war es der damaligen Regierung aber, die heimischen Energieträger zu nutzen, um nicht vom Ausland abhängig zu sein oder gar erpressbar zu werden. Man wusste damals, dass eine sichere Energieversorgung die unabdingbare Voraussetzung für Wohlstand und weiteren Aufschwung ist.

Als Student an der Bergakademie Clausthal habe ich die Entwicklung der Kohleförderung hautnah miterlebt. Die Steinkohle wurde bis Mitte der 1950er Jahre per Hand, also mit Presslufthammer und Schaufel gewonnen. Die Leistung der Kumpel lag bei einer Tonne Kohle pro Schicht. Dann überschwemmten kostengünstiges Erdöl und billige Steinkohle die Welt. Als Antwort wurde die Förderung in Deutschland mechanisiert, Schrämhobel und Förderbänder übernahmen weitgehend die Handarbeit. Die Schichtleistung stieg innerhalb weniger Jahre auf vier Tonnen und erreichte bis zum Jahr 2000 mehr als 6 Tonnen. Bei zunächst gleichbleibender Produktion wurden nur noch zwei Drittel der Bergleute gebraucht. Die Kohle konnte dennoch nicht zu wettbewerbsfähigen Preisen gefördert werden, weil man immer tiefere Lagerstätten abbauen musste. Die deutsche Steinkohle war unwirtschaftlich geworden; die Zechen hätten eigentlich schließen müssen.
Subventionsgründe
Doch die Gewerkschaften wollten möglichst viele der Arbeitsplätze erhalten, und die Regierung befürchtete durch den Wegfall der Steinkohle, dem Rückgrat der Energieversorgung in Deutschland, eine kritische Abhängigkeit vom Ausland. Die Hersteller von Bergwerksmaschinen forderten aktive Zechen zur Erprobung neuer Anlagen. So einigte man sich darauf, die Zechen nur nach und nach stillzulegen und die geförderte Steinkohle zu subventionieren. Als Subvention wurde die Differenz zwischen Förderkosten und Weltmarktpreis gezahlt. Finanziert wurde sie über viele Jahre durch den sogenannten Kohlepfennig, den die Stromverbraucher für jede Kilowattstunde zahlen mussten. Die Kohle verstromte man weitgehend und nutzte sie zur Verhüttung von Eisenerz. Heizungen wurden auf preiswerteres Öl und Erdgas umgestellt.
Energiewende viel teurer als Steinkohlesubventionen
Die gesamten Subventionen für die über 50 Jahre geförderten 3,2 Milliarden Tonnen Steinkohle liegen nach meinen Kenntnissen bei 125 Milliarden Euro. Im Durchschnitt wurde jede Tonne mit 40 Euro subventioniert. Der Strom aus deutscher Steinkohle war also rund einen Cent je Kilowattstunde teurer als Strom aus importierter Steinkohle.
Im Gegensatz zu den vom Wetter abhängigen „regenerativen“ Energien ist die Kohle in fast beliebigen Mengen speicherbar und macht damit die Stromerzeugung planbar und regelbar. Die Steinkohlesubventionen haben zwar zu einer moderaten Verteuerung des Stromes geführt, dafür aber die Versorgungssicherheit garantiert. Die gut regelbaren Steinkohlenkraftwerke waren das Rückgrat für ein stabiles Netz – das sollten sie auch bleiben!
Die „Energiewende“ hat inzwischen den Strompreis mehr als verdoppelt bei einem Anteil an Fakepower (Wind- und Solarstrom) von weniger als einem Drittel. (In den Medien wurde von einem 40 % Anteil für 2018 berichtet. Dies ist der Bruttoanteil, von dem erhebliche Mengen als Überschuss ins Ausland exportiert oder entsorgt wurden. Der Netzanteil ist richtig angegeben). Die Wendekosten dürften zurzeit deutlich über 35 Milliarden Euro pro Jahr liegen; eine Übersicht über diese Kosten gibt es nicht. Der Bundesrechnungshof hat zu Recht die Tatsache gerügt, dass die Energiewende unkoordiniert von mehreren Bundesministerien und von allen Landesregierungen ohne Erfolgskontrolle gefördert wird. Die bisherigen Gesamtkosten der Energiewende müssen daher geschätzt werden. Realistisch dürften es etwa 400 Milliarden Euro sein. Das ist mehr als das Dreifache der Steinkohlesubventionen. An Fakepower wurden bisher rund 2.200 Milliarden kWh erzeugt. Mit der subventionierten Steinkohle konnten dagegen 10.000 Milliarden kWh planbarer Kraftwerkstrom in das Netz geschickt werden.
Deutschland wird erpressbar
Deutschland ist nach Aufgabe der Steinkohlenförderung auf Importe angewiesen. Als heimischen Energieträger gibt es dann nur noch die Braunkohle, wenn man von der geringen Gas- und Ölförderung einmal absieht. Braunkohlen- und Kernkraftwerke sind die preiswertesten Stromerzeuger. Die letzten Kernkraftwerke sollen in den nächsten Jahren stillgelegt werden. Als Ersatz waren Kohlekraftwerke geplant, die jedoch nur zum Teil tatsächlich gebaut wurden. Jetzt sollen auch die Braunkohlekraftwerke abgeschaltet werden, weil sie angeblich „Dreckschleudern“ seien. Dabei haben die neuen Braunkohlekraftwerke im rheinischen Revier und in der Lausitz einen hohen Wirkungsgrad (weniger Brennstoffverbrauch je kWh) und einen hohen Umweltstandard. Ein solches Kraftwerk belastet die Umwelt weit weniger als mehrere tausend Windgeneratoren, die im Jahr die gleiche Strommenge bei schwankenden Leistungen erzeugen. Doch die Bundesregierung hat eine Kohle-Ausstiegs-Kommission berufen, die Termine nennen soll. In dieser Kommission sind viele gesellschaftliche Gruppen vertreten, nur Fachleute der Energieversorgung sucht man dort vergebens.
Werden tatsächlich einige große Braunkohlekraftwerke stillgelegt, drohen Stromausfälle. Darauf weist auch die Deutsche Energie-Agentur (DENA) hin. Die Fakepower-Anlagen können nicht einspringen, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht. Dann brauchen wir zu einer verlässlichen Versorgung alle Kohlekraftwerke und zusätzlich Gaskraftwerke. In einer solchen Situation kann uns das Ausland mit Russland an der Spitze zu beliebigen politischen Zugeständnissen zwingen mit der Drohung, den Gashahn zuzudrehen.
Energieträger der Zukunft
Wir müssen daher die vorhandenen Braunkohlekraftwerke weiter betreiben und dazu noch neue bauen. Darüber hinaus brauchen wir den Einstieg in das Fracking, den Abbau von Schiefergas und Schieferöl. Deutschland hat davon große Lagerstätten, die wir erschließen können. Werden die Verantwortlichen in der Bundesregierung sich rechtzeitig einer realistischen Energiepolitik zuwenden oder brauchen wir dazu erst einen Stromausfall mit großen volkswirtschaftlichen Schäden und zahllosen Toten?

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